
Der Begriff „1‑Euro‑Business“ beschreibt ein Geschäftsmodell, das auf extrem günstigen Einzelleistungen basiert — oft symbolisiert durch Angebote für einen Euro oder nur wenige Euro. Solche Mini‑Gigs findet man vor allem auf globalen Plattformen wie Fiverr, aber auch in lokalen Kleinanzeigen. Für Freiberufler hat dieses Phänomen weitreichende Folgen: einerseits ermöglichen Niedrigpreise, schnell Aufträge und Referenzen zu bekommen; andererseits zerstören sie mittelfristig Preisstrukturen, drücken Erwartungen und führen zu Ausbeutung. Wer als Freelancer dauerhaft bestehen will, sollte die Mechanik hinter 1‑Euro‑Angeboten kennen und Strategien entwickeln, um nicht in der Preisspirale zu landen.
Viele Auftraggeber, die nach dem billigsten Angebot suchen, denken kurzfristig in Produktkategorien: ein Logo für 5 Euro, eine Texterstellung für 1 Euro. Für den Freiberufler bedeutet das jedoch, dass Zeit, Know‑how, Revisionen, Kommunikation und Rechteklärung nicht angemessen vergütet werden. Das Resultat: schlechtere Qualität, unzufriedene Kunden und ein Markt, in dem seriöse Preise kaum durchsetzbar sind. Gleichzeitig nutzen manche Anbieter niedrigpreisige Einstiegspakete bewusst als Funnel: ein günstiges Basisangebot, das später zu größeren, teureren Projekten führt. Das kann funktionieren — aber nur, wenn Kalkulation und Upsell‑Strategie stimmen.
Wichtiger erster Schritt ist die eigene Preisfindung: berechne, wieviel du wirklich verdienen willst. Beispielhafte Vorgehensweise: definiere dein Nettozielmonatseinkommen, addiere geschätzte Betriebskosten, Steuern und Rücklagen für Versicherungen und Altersvorsorge. Teile die Summe durch realistische monatliche abrechenbare Stunden (Freelancer rechnen oft mit 100–140 billable hours pro Monat, je nach Marketing‑ und Verwaltungsaufwand). Das Ergebnis ist dein Mindeststundensatz. Wenn du Kleinunternehmerregelung oder USt. berücksichtigst, rechne entsprechend auf. Diese transparente Kalkulation hilft, Einzeltasks nicht unter Wert anzubieten.
Statt 1‑Euro‑Aufträgen funktionieren für Freelancer diese Strategien besser: arbeite mit Produkt‑Paketen (z. B. Basis, Standard, Premium) mit klaren Leistungsgrenzen; setze Mindestpreise und biete niedrigpreisige Leistungspakete nur als zeitlich begrenztes Intro an; weise klar Revisionen, Nutzungsrechte und Lieferzeiten aus; nutze Anzahlungs‑ oder Meilensteinzahlungen bei größeren Projekten; fokussiere dich auf Nischen, in denen du besonderen Mehrwert bringst (z. B. UX‑Texte für SaaS, rechtssichere Vertragsvorlagen, technische SEO für Onlineshops) — Spezialisierung steigert Wahrnehmung von Expertise und ermöglicht höhere Preise. Biete stattdessen kostenlose Mini‑Mehrwerte wie kurze Beratungsgespräche (10–15 Minuten) an, um Vertrauen aufzubauen, ohne Zeit zu verschenken.
Im Umgang mit Plattformen lohnt sich Strategie über Geiz: wähle Plattformen, die Qualitätsfilter und faire Vergütung unterstützen (z. B. Malt, Twago, spezialisierte Agenturbörsen) statt ausschließlich auf Endkundenmarktplätzen mit Preiskampf zu setzen. Auf Plattformen mit vielen Billiganbietern setze ein klares Profil, gute Portfolio‑Beispiele und Bewertungen ein, positioniere Leistungsgrenzen, dokumentiere Prozesse und lege Revisionen offen. Nutze Auftragsbeschreibungen, um den Aufwand zu quantifizieren: „Für diese Aufgabe berechne ich x Stunden. Der Mindestpreis beträgt y €.“ Das hilft, unrealistische Erwartungen früh zu filtern.
Kommunikation mit Kunden ist entscheidend. Stelle Qualifizierungsfragen, bevor du ein verbindliches Angebot erstellst: Was ist das Ziel des Projekts? Wer ist die Zielgruppe? Welche Ressourcen / Zugänge werden bereitgestellt? Gibt es Deadlines? Frage auch nach Budgetrahmen — viele Auftraggeber nennen ihn nicht freiwillig, aber eine klare Budgetfrage sortiert schnell. Wenn ein Kunde nur nach extrem günstigen Angeboten fragt, erkläre kurz, warum Qualität Zeit kostet, und biete stattdessen ein alternatives, realistisches Paket an. Ein höflicher, aber klarer Mustertext kann lauten: „Für Ihre Anforderungen empfehle ich Paket X zum Preis von Y €, das inklusive Z Revisionen und Nutzungsrechten ist. Wenn Ihr Budget geringer ist, kann ich eine reduzierte Version mit klar begrenztem Umfang anbieten.“
Rechtliche und organisatorische Aspekte sollten nicht vernachlässigt werden. In Deutschland unterscheide zwischen Freiberuflern (freiberufliche Tätigkeiten) und Gewerbetreibenden (Gewerbeanmeldung). Prüfe Kleinunternehmerregelung (§19 UStG) vs. Regelbesteuerung, verstehe Pflichten zur Rechnungsstellung und Aufbewahrung, kläre Urheber‑ und Nutzungsrechte vertraglich. Denke an Absicherung: Haftpflichtversicherung, Krankenversicherung (gesetzlich oder privat), ggf. Rentenpflichten oder Künstlersozialkasse. Besonders bei vielen Kleinstaufträgen können Verwaltungskosten anfallen — diese sollten in die Preisstruktur eingerechnet werden.
Praktische Tools und Prozesse sparen Zeit und erhöhen Professionalität: Standard‑AGB und Projektverträge, kalkulierbare Briefing‑bögen, Vorlagen für Angebote und Rechnungen, Zeiterfassungstools und Rechnungssoftware. Automatisiere wiederkehrende Aufgaben (z. B. Onboarding‑E‑Mails, Rechnungsversand), damit du mehr Zeit für profitable Arbeit hast. Nutze Testimonials und Case Studies, um höhere Preise zu rechtfertigen. Biete Garantien oder Erfolgsmessung an (z. B. Conversion‑Steigerung, Social‑Media‑Reichweite), damit Kunden den Wert sehen.
Wenn du aktuell viele 1‑Euro‑ oder Niedriglohnaufträge hast und rauswachsen willst, plane den Übergang: erhöhe Preise schrittweise für Neuanfragen, kommuniziere Preisanpassungen früh bei Bestandskunden mit begründeter Leistungssteigerung, biete bestehende Leistungen als “Legacy“ nur noch für kurze Zeit an. Investiere in Portfolio‑Projekte, die höherpreisige Zielkunden anziehen. Lerne, höflich Nein zu sagen — Zeit ist das wichtigste Gut eines Freelancers.
Zusammenfassend: 1‑Euro‑Business als Phänomen ist eine Realität, vor der Freelancer nicht die Augen verschließen sollten. Kurzfristig kann es als Einstieg dienen; langfristig schadet es der eigenen Marktposition. Kalkuliere realistisch, positioniere dich über Spezialisierung und klaren Leistungsbeschreibungen, nutze Verträge und Mindestpreise, automatisiere Verwaltung und kommuniziere professionell. So vermeidest du Preisdumping und schaffst eine nachhaltige, faire Selbstständigkeit.
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